Archiv der Kategorie: 04 Architektur- und Designtheorie ab 1990

Funktionalismus als DDR und Utopie (2012)

Olaf Weber
Funktionalismus als DDR und Utopie

Der „Funktionalismus“ wurde in den 1960er Jahren in den Architekturdebatten des Westens begraben, doch entwickelte er sich gerade in den 70er und 80er Jahren in der DDR zu einem zentralen Begriff der architektur- und designtheoretischen Diskussion. Er hatte ein philosophisches Gesicht – und die technologische Rückseite des Plattenbaues. Er wurde von maßgeblichen Philosophen, Architekten und Designern zum Gestaltungsprinzip des Sozialismus hoch stilisiert und damit höchst problematisiert. Der Verfasser dieses Artikels hat in dieser Zeit die Diskussion um den Funktionsbegriff verfolgt und in vielen Publikationen zur Architektur- und Designtheorie in der DDR mitbestimmt. Die folgenden Gedanken beziehen sich in einer Rückschau auf diese teils heftig geführte Diskussion. Weiterlesen

Georg Klaus und die Sprache der Architektur. Eine Reminiszenz (2011)

Zusammenfassung. Zu Beginn der 1970er Jahre gab es in der Architekturtheorie der DDR Bestrebungen, den stark normativen Charakter der darin enthaltenen traditionellen Ästhetik durch die Einführung von aus der Kybernetik, Semiotik und Informationstheorie stammenden Konzepte wie „Zeichen“, „Kommunikation“ oder „Information“ zu modernisieren. Dabei kommt Georg Klaus das Verdienst zu, zur Durchsetzung dieser aus der Semiotik in die Architekturtheorie der DDR übernommenen Ideen maßgeblich beigetragen zu haben. Weiterlesen

Podiumsgespräch / Statement zum Thema Architektur und Demokratie (2009)

mit Prof. Dr. Olaf Weber, Helmut Seemann und Dr. Helmut Orpel
am 03.10.2009 im Kinosaal des mon ami Weimar

Weimarer Rendevous mit der Geschichte 2009
Podiumsgespräch zum Thema „Architektur und Demokratie“

Statement von Olaf Weber

Wir haben den Auftrag, auf dieser Bühne über das Thema „Architektur und Demokratie“ zu diskutieren und ich möge – so heißt meine spezielle Aufgabe – als Mann des Ostens dieses Verhältnis auf die DDR projizieren. Ich will das gern mit ein paar Sätzen versuchen, doch muss ich zunächst einige Worte über den Begriff „Demokratie“ verlieren. Demokratie ist nämlich ein hohes Gut und zugleich eine Worthülse, die man zu allerhand Schindluder missbrauchen kann. „Demokratie“ gehört zu jenen Begriffen, die man nur gebrauchen darf, wenn man sich zugleich um ihren Inhalt bemüht, ihn schärft. Weiterlesen

Wahrnehmung und andere Gedächtnisinhalte (2008)

Olaf Weber im Interview mit Wolfram Höhne, April 2008
Wahrnehmung und andere Gedächtnisinhalte

Bevor wir uns an die Produktion dieses Filmes setzten, haben wir viele Bücher zum Thema „Wie mache ich einen Film“ gelesen. Einer der Autoren, Hans Richter, hat geschrieben, dass er Schaulust zu den primitivsten der allgemeinen Bedürfnisse der Menschen überhaupt zählt. Wenn man einen Film machen will, kommt man ohne sie aber nicht aus, bei Verzicht geht keiner ins Kino. Schaulust muss notgedrungen befriedigt werden. Es gibt aber auch die Aussage: Ich glaube nur, was ich sehe. Dieser Satz traut dem Visuellen wiederum sehr viel zu. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? Weiterlesen

Nachtgedanken zur Kunst (2006)

Nachtgedanken zur Kunst
(Nach einer Diskussion, zu schnell geschrieben)

„Kunst kann man nur bestimmen, wenn man ins Staunen gerät.“ (M. Duchamp)

Nicht alles ist Kunst. Der Slogan „alle sind Künstler“ war eine hübsche Provokation des Künstlers Beuys zur Markierung einer neuen Gesellschaft. Der Kunstmarkt hat daraus die unverschämte Legitimation gezogen, alles das zur Kunst machen zu können, woraus ein Gewinn zu schöpfen ist. Der Kunstbegriff ist durch Vermarktung und Mystifikation im bürgerlichen Kunstbetrieb desavouiert worden, aber es gibt doch etwas Eigentümliches, für das wir einen Begriff wie etwa „Kunst“ brauchen. Weiterlesen

Drei Rezensionen zu Bruno Flierl (1998-2002)

Olaf Weber
Rezension zu Bruno Flierl: Berlin baut um – Wessen Stadt ist die Stadt? Kritische Reflexionen 1990-1997. Verlag für Bauwesen, Berlin.

Der bekannte Berliner Architekturkritiker, der viele Jahrzehnte mit unserer Uni in Forschung und Lehre verbunden war, legt mit seinem soeben erschienen Buch eine Geschichte des Umbaues Berlins in den Jahren 1990-97 vor, die nicht nur Berliner interessieren wird. In 30 ausgewählten Texten reflektiert er fast exemplarisch den Zusammenhang von Stadtentwicklung und Politik während der heftigsten Umbruchsphase, die diese Stadt jemals erlebt hat. Die Texte haben den Vorteil, das sie nicht mit dem abgeklärten Abstand eines Historikers geschrieben sind, sondern mit der Frische eines Chronisten, der einen strengen methodischen Hintergrund zur analytischen Kraft seiner Aussagen gebraucht. Weiterlesen

Bruno Flierls 70. Geburtstag (1997)

Olaf Weber
Bruno Flierl 70. Beitrag zum Geburtstagsjubiläum am 02.02.1997

Ich bin nicht so gut vorbereitet, wie meine Vorredner, aber, lieber Bruno, das kennst Du ja aus unserer gemeinsamen Zeit an der Bauakademie.

Ich hatte in meinem Leben nur drei Chefs. Der eine war Bernd Grönwald und die beiden anderen, das waren Bruno Flierl und Lucius Burckhardt. Und diese beiden waren so schön widersprüchlich, daß ich darüber gern etwas sagen möchte. Bruno Flierl kenne ich seit 1970. Damals war ich gerade mit dem Architekturstudium fertig. Und damals war nach der Hochschulreform das Forschungsstudium gegründet worden, eine Form der Weiterbildung, die zur Promotion führte. Es gab zu dieser Zeit einen Modernisierungsschub in der Wissenschaft der DDR und wir stürzten uns gleich auf Kommunikationstheorie, Kybernetik, Systemtheorie und Semiotik. Das gab natürlich Probleme, auch Schwierigkeiten mit traditionellen Wissenschaftsauffassungen, auch und gerade bei uns in Weimar. Weiterlesen