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Friedenspodium Weimar: „Welt ohne Waffen ist möglich“ (Interview der TLZ mit Olaf Weber, 31.08.13)

Krieg, Militär, Waffen: All das passe nicht ins 21. Jahrhundert, sie gehörten abgeschafft. Davon ist die Weimarer Initiative „Welt ohne Waffen“ überzeugt. Anlässlich des Weltfriedenstages am Sonntag laden deren Mitglieder zu einem Friedenspodium ins Weimarer Kulturzentrum mon ami ein.

Weimar. Unsere Zeitung sprach mit dem Moderator der Veranstaltung, Professor Olaf Weber. Der ehemalige Inhaber eines Lehrstuhls für Ästhetik an der Bauhaus-Uni wünscht sich in den kommenden Jahren weitere „Welt ohne Waffen“-Friedenspodien.

Herr Professor, wozu brauchen wir ein Friedenspodium? Was erwartet die Gäste?
Wir haben es hier mit einem aktuellen und zugleich zeitlosen Thema zu tun. Aktuell ist natürlich der möglicherweise bevorstehende Militäreinsatz der USA in Syrien. Doch darum sollte es nicht vorrangig gehen.

Sondern?
Wichtiger ist mir die Frage, wie man Kriegsgefahren in Zukunft reduzieren und Kriege verhindern kann. Und wie an deren Stelle friedliche Mittel der Konfliktbewältigung treten. Es ist doch so: Wir schlittern von Krise zu Krise – vom Kosovo über Afghanistan und Irak bis Syrien. Wenn das militärische Denken weiter so dominant ist, kann die Kette von militärischen Interventionen nicht gestoppt werden. Ich habe den Eindruck, dass das Abrüstungsinteresse im Moment nicht sehr hoch ist.

Was müsste geschehen?
Die Politik müsste handeln, Abrüstung wichtig nehmen und darauf Acht geben, dass internationale Verträge nicht durchlöchert werden. Die Rüstungskontrolle müsste verstärkt, Rüstungsexporte reduziert und abgeschafft werden. Denn meist landen die Waffen in den falschen Händen. Wenn es einen großen Friedenswillen gäbe, könnte schon in 30 bis 40 Jahren das Militärwesen abgeschafft sein. Die Aufsicht über ein Netzwerk aus internationalen Abrüstungsverträgen hätte dabei die Uno.
Aber der aktive Frieden beginnt im Kopf. Kriege und Militär gehören nicht ins 21. Jahrhundert – das Jahrhundert der Menschenrechte. Kriege liegen in ihrem Wesen außerhalb der modernen Zivilisation, weil unschuldige Menschen (auch die gegnerischen Soldaten) umgebracht werden. Es wird keine individuelle Schuld nachgeprüft.

Ist eine Welt ohne Waffen nicht utopisch?
Man muss sich große Ziele setzen. Natürlich wird es nie eine Welt ohne Konflikte geben. Nur dürfen diese nicht mit militärischen Mitteln ausgetragen werden. Die Polizei als gewaltbereite Ordnungsmacht ist im Gegensatz zum Militär nötig. Sie trennt die wahrscheinlich Unschuldigen von den wahrscheinlich Schuldigen, die vor Gericht gebracht und vielleicht verurteilt werden. Im Krieg ist das nicht der Fall.

Was halten Sie von der Meinung, dass Waffengänge nötig sind, um Frieden zu schaffen oder Menschenleben zu retten?

Das ist ein echtes Dilemma. Ist ein militärischer Konflikt einmal ausgebrochen, kann man nur helfen, die Spirale der Gewalt zu unterbrechen. In Syrien gab es erst einen Schießbefehl, dann Scharmützel bewaffneter Gruppen, dann Kriegsverbrechen auf allen Seiten, jetzt einen wahrscheinlichen Giftgaseinsatz. Ein Angriff von außen wäre die nächste Eskalationsstufe, die nicht die letzte wäre und viele Menschenleben kosten würde. Deshalb halte ich einen solchen Schritt für falsch. Die Lösung kann nur in Verhandlungen zwischen der Regierung und der syrischen Opposition liegen, um die islamistischen Extremisten auszuschalten. Die Verantwortlichen für den Chemiewaffeneinsatz müssen streng bestraft werden – am besten vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Friedenspodium Weimar: Sonntag, 1. September, 19 Uhr, Kulturzentrum mon ami

Friedenspodium Weimar 2012

Welt ohne Waffen – Friedenspodium Weimar 2013

Aufruf
an alle, die sich eine Welt ohne Waffen vorstellen können.
Unter diesem Titel findet am Weltfriedenstag, am Sonntag den 1. September 2013, ein Friedenspodium in Weimar statt. Alle sind eingeladen, die an einer Stärkung der Friedenskräfte und einer globalen Abrüstung interessiert sind.
Beginn: 19 Uhr im Kulturzentrum mon ami

Welt ohne Waffen – Friedenspodium Weimar 2013

Ausgangspunkt für diese Initiative ist die Überzeugung, dass eine Welt ohne Militär möglich ist. Durch die Bündelung der Friedenskräfte wollen wir die Kriegstreiberei der Machtpolitiker, der Geheimdienste, des militärisch-industriellen Komplexes und der konfliktfreudigen Meinungsindustrie so gut es geht verhindern. Wir sind der Auffassung, dass das Töten von Zivilisten und im Grunde ebenso unschuldigen Soldaten einer Phase der Vorzivilisation angehört. Das Militär steht in einem grundsätzlichen Widerspruch zu den modernen individuellen Menschenrechten. Es verstärkt durch seine Kriege, aber auch durch seine bloße Existenz, diejenigen Probleme, die es zu lösen vorgibt. Der Krieg und mit ihm das Militär und seine Waffen gehören nicht mehr ins 21. Jahrhundert, sie gehören abgeschafft.

Ähnlich dem Ausstieg aus atomaren und fossilen Energieträgern muss auch der Übergang von einem militärischen zu einem zivilen Sicherheitssystem innerhalb eines halben Menschenlebens möglich sein. Eine solche Kehrtwende in der Militärpolitik stößt auf großes Interesse, aber auch auf den Unglauben, es jemals erreichen zu können. Der Ausstieg aus dem Krieg und dem militärischen Denken sollte deshalb gründlich diskutiert und – weil bei den Mächtigen keine Abrüstungsbereitschaft zu erkennen ist – leidenschaftlich voran getrieben werden.

Über die Chancen und Risiken eines neuen Pazifismus wollen wir auf dieser Veranstaltung sprechen. Was sind die Voraussetzungen und Wege zu einer Welt ohne Waffen? Die Antworten liegen scheinbar auf der Hand, sie sind aber hochkomplex und umstritten. Deshalb richtet sich der Aufruf an alle gesellschaftlichen Kräfte, die im aktiven und gerechten Frieden eine Entwicklungschance für alle Benachteiligten sehen. Nicht unpolitisch, aber unabhängig von den Wahlkämpfen dieser Wochen wollen wir eine Thüringer Plattform für gesellschaftliche Veränderungen in Richtung einer vollständigen globalen Entmilitarisierung schaffen.

Kommt am 1. September nach Weimar ins Kulturzentrum mon ami. Beginn 19 Uhr. Bitte leitet diese Information an alle Organisationen, Gruppierungen und Einzelpersonen weiter, die über eine globale pazifistische Initiative nachdenken oder nachdenken wollen.

Podiumsgäste für die offene Diskussion sind
Uli Cremer (Grüne Friedensinitiative, Hamburg)
Otto Jäckel (Vorsitzender von IALANA, Juristen für gewaltfreie Friedensgestaltung, Berlin)
Steffen Dittes (Fraktionsmitarbeiter im Landtag, Die Linke, Erfurt)
Prof. Dr. Michael Haspel (Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen, Neudietendorf)

Moderation: Prof. Dr. Olaf Weber (Initiative Welt ohne Waffen, Weimar)

Veranstalter:
Initiative »Welt ohne Waffen«, Weimar
mit Unterstützung der DAKT (Die Andere Kommunalpolitik Thüringen e.V.)

Welt ohne Militär (2013)

Welt ohne Militär

Eine militärfreie, doch darum nicht konfliktlose Zivilgesellschaft, die sich durch ihre eigenen Instrumente schützt, ist ihr selbstverständlicher Zustand.

1. Militär und Menschenrechte sind unvereinbar

Die Würde des Menschen hängt an seinem Leben. Militär zerstört nicht versehentlich, sondern planmäßig den Anspruch auf Leben. Soldaten müssen „feindliche“ Soldaten töten, obwohl keinem der Kriegsbeteiligten eine individuelle Schuld nachgewiesen wird. Töten, vor allem Töten auf Verdacht, steht aber in einem eklatanten Widerspruch zu den individuellen Menschenrechten. Militär und Menschen­rechte befinden sich also nicht nur dann im Konflikt, wenn durch so genannte Kollateralschäden Zivilisten getötet oder verletzt werden, sie stehen überhaupt zueinander in einem unüberwindlichen, antagonistischen Widerspruch. Krieg ist autoritäres von Generälen und Bandenchefs verordnetes Morden. Militär ist ein ruhmloses Auslaufmodell. Weiterlesen

Global Zero Sofortiger und anhaltender militärischer Rückbau (2012)

Global Zero: Sofortiger und anhaltender militärischer Rückbau

Einige Argumente gegen das Militär

In Dokumenten zur internationalen Politik wird dem Militär immer noch eine friedensstiftende Rolle eingestanden, wie etwa in entsprechenden Formulierungen zur sogenannten „Schutzverantwortung“ (Responsibility to Protect). Auch im Antrag für die Bundesversammlung der Grünen in Hannover wird zwar ein Umdenken „vom Recht des Stärkeren zur Stärkung des Rechts“ gefordert und das Militär durch ein filigranes Netz von Vorbeugung und Verträgen zu fesseln versucht, doch es bleibt noch bestehen. Parallel zur Bändigung des Militärs muss aber dringend seine Abschaffung betrieben werden. Dazu die folgenden Argumente: Weiterlesen

Wer ist schuldig? (Gaza, 2009)

Wer ist schuldig? (Gaza)

Wer die israeliche Aggression gegen den Gaza nicht als Aggression und die Massaker dort nicht als Massaker bezeichnet, der macht sich an dem Töten mitschuldig. Wer wie die deutsche Öffentlichkeit die Schuld einseitig bei der Hamas sucht und seine analytischen Fähigkeiten damit verbraucht, in den Jahrzehnte dauernden kriegerischen Kreisläufen den jeweils letzten oder ersten Schuß ausmachen zu wollen, der macht sich schuldig. Vielmehr geht es in einem Konflikt, in dem beide Seiten den Waffenstillstand nicht eingehalten haben (andauernde Grenzsperrung duch Israel, Mörserbeschuß durch Hamas), um die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Wer die stärkere Kriegsmaschinerie besitzt und diese gegen einen deutlich unterlegenen Feind einsetzt, ist für diese Überlegenheit zu verurteilen. Weiterlesen

Holocaust? (2007)

Holocaust

Der Holocaust ist in seiner ungeheuerlichen Grausamkeit ein singulärer Fall in der Menschheitsgeschichte und wird es hoffentlich auch bleiben, ihn zu leugnen stellt ein neuerliches Verbrechen dar. Doch warum ist der Gipfel der Ungeheuerlichkeit nicht mit anderen Grausamkeiten in Beziehung zu setzen? Weiterlesen

Militär und Wahnsinn (2007)

Militär und Wahnsinn
Einige Argumente gegen das Militär und für einen globalen Pazifismus

1. Die Militärs rechtfertigen sich heute hauptsächlich mit der kollektiven Lüge, für die Landesverteidigung verantwortlich zu sein. Wenn sie sich aber auf die bloße Verteidigung verpflichten ließen, würden sie sich allesamt überflüssig machen. Die Militärs verteidigen also nur den ständig wachsenden Rüstungsetat, letztlich sich selber. Die alte, vor-zivilisatorische Funktion des Militärs, nämlich das Territorium eines Nationalstaates zu erweitern, ist letztmalig Israel 1967 mit dem Misserfolg einer 40-jährigen Besatzerpolitik in den Palästinensergebieten und auf dem syrischen Golan „gelungen“. Die Duldung dieser Landnahme durch die Westmächte hat den Waffenträgern bis hin zu den „Warlords“ ein bedenkliches Rechtfertigungsargument verschafft. Weiterlesen

Zum 13. Februar 1945 (2005)

Zum 13. Februar 1945

Wer wie ich vor 60 Jahren als kleines Baby durch das Flächenbombardement auf Dresden obdachlos geworden, aber am Leben geblieben ist, der wird an diesem Jahrestag in besonderem Maße an die Negativität von Krieg und Gewalt erinnert. Damals kam der Tod für viele Tausende Männer, Frauen und Kinder aus den Flugzeugen der Alliierten. Wir dürfen und müssen fragen, ob es dafür eine ausreichende Legitimation gab. Diese Frage führt zu der anderen, ob man Verbrechen miteinander vergleichen kann. Ich glaube, das ist in diesem Falle dann möglich, wenn man deutlich bekennt, dass Deutschland der Urheber dieses unvergleichlichen industriellen Mordens war und Deutschland deshalb eine große Schuld auf sich geladen hat. Nur wenn wir diese Schuld aus tiefstem Herzen und Verstand anerkennen und bereit sind, daraus die Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen, dann können wir die inhumane Sinnlosigkeit dieser Bombardierung auf Dresden und andere deutsche Städte deutlich benennen. Weiterlesen

Pazifismus als Weg (2004)

Pazifismus als Weg

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Amerikaner im Irak versagen würden, weil Militärs immer Versager sind, Militär ist überflüssig – zu hause und erst recht in der Fremde. Jeder Staat blamiert sich, wenn er die Militärs gewähren lässt. Es hat noch keine Landnahme ohne Greueltaten gegeben. Das Foltern von Gefangenen ist dabei nicht grausamer als das Abwerfen von Bomben, weil die Piloten in bewusster Unkenntnis darüber die Bomben werfen, wer in den bombardierten Häusern zu Tode kommen wird. Bomben, Raketen und Granaten sind barbarische Gewaltmittel, es sind aber die Werkzeuge der Militärs. Militär tötet immer Unschuldige oder der Schuld nicht Überführte – darunter die unschuldigen „feindlichen“ Soldaten. Der Krieg ist ein Massenlynchmord, er steht außerhalb der Zivilisation. Weiterlesen