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Eine Begrüßung

Eine Begrüßung im Theaterhaus Weimar am 4. Juli 2000 anläßlich des 1-jährigen Bestehens desselben. Von Olaf Weber

Ich habe sehr gern den Part der Begrüßung übernommen.

Aber was ist Begrüßung?

Begrüßung, das ist artig mh.

Begrüßung, das ist artig mh.

Begrüßung, das ist Anfang, es geht los.

Alltagfenster schließen. Auf-Hören Reden durcheinander.

Schluß mit dem schmalen tolk.

Begrüßung, das ist die Ohren spitzen

ohne hören zu. Im Geiste noch woanders.

Ein Klingeling, ein leeres Zeichen, das ist die Begrüßung.

Nun hört mal her, ich hab Euch nichts zu sagen.

Das ist Begrüßen.

Begrüßen ist, die Worte aus der Luft holen und

dahinein zurück zu schnippen. Die Luft hat viele WörterSätze,

das spürt, wer redet. Sie kriechen in den Mund, sobald ein

kleiner Spalt, die LippenZähne offen. Dort mischen sie sich

mit dem Tanz der Zunge, kriegen Energie durch Turbulenzen

aus der Lunge. Und raus! Doch langsam, niemanden erschrecken.

Das ist Begrüßung.

Grußworte wenig an der Zahl. Ihr wenigen Grußworte!

Ihr wenigen. Aber sie sind groß. Groß und aus Luft.

Merke: Wenige, aber groß und aus Luft. Das sind Grußworte.

Begrüßworte sind nicht böse. Artig sind sie.

Nicht sagen Wirklichkeit. Nicht Zorn, nicht Liebe. Aber

liebe Anwesende. Liebe Verehrte und Versehrte.

Liebe Parylöwen. Liebe Stellvertreter. Verehrte

Müßiggänger oder warum stehen Sie denn hier herum?

Begrüßung, das ist vorne dran am Anfang, aber

ist nicht Vorspiel. Das ist nicht schon einer

von dem Teil, der hinführt

irgendwo zu etwas, was man will.

Begrüßung fängt nichts an, es ist der Anfang selbst, der

möglichst aufhört weil, nichts wird erwartet in der Runde.

Begrüßung, das ist kein Genuß. Das ist kein Vorspiel.

Vorspiel, wäre wenn sich Sinne schärften. Wenn

die Stirn sich wölbte, wenn die Worte durch die Haut hindurch. Wenn Luftballone platzten, wenn Sauerstoff in Not.

Das wär was andres, nicht Begrüßung.

Begrüßung, das ist artig mh.

Noch anders ist Begrüßung an der Kunst. Die

Kunst will nichts begrüßen, selber

auch nicht werden, nur das salve der Lateiner.

Die Kunst ist selber Anfang Ende selbst. Sie

klingelt nicht, sie blickt nur keck nach unten

in die Luft. Das ist die Art der Kunst als art.

Kunst, das ist Grüßen nicht, nicht Salutieren.

Kunst, das ist zeitgleich präsentieren sich und

ein entferntes schwaches Winken. Winken.

Für einen Künstler aber ist die Kunst ein Springen, ist ein

Hineinspringen zwischen Ursache und Wirkung hinein. Mit

einer Form dazwischen springen, das ist Kunst. Und

mit erhobenen Armen. Wenn sie da liegt

zwischen einer Kraft, die eine ist und einer anderen, die

eine werden will, dann kann man sagen:

Hallo Kunst. Hallo Leute. Es wird was. So

kann man sie begrüßen, wenn man will.

Begrüßen, das ist artig mh.

Nun wissen Sie was Begrüßung ist.

Nun will ich Sie tatsächlich und herzlich

willkommen heißen an diesem Abend, in diesem Hause.

Und es gibt ja auch einen Anlaß.

Das Theaterhaus Weimar feiert Jubiläum.

Herzlichen Glückwunsch.

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